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Wie es begann...
Die Idee zur Teilnahme am Iron Butt kam mir
ziemlich spontan am Montag, 10. August 2009.
Am Donnerstag drauf bin ich ihn dann gefahren.
Am
Montagmorgen war ich eigentlich damit beschäftigt, für meine Lebensgefährtin im Internet eine Bezugsquelle
für das Motorrad-Reisebuch von Martina Fischer ("Ein Arsch aus Stahl")
zu finden, weil's nahezu überall ausverkauft ist. Der Suchbegriff führte
mich bei der weiteren Recherche zum Keyword "Eisenarsch"
(Anm.: Übersetzung für Iron Butt),
dann zu einem Bericht im Tourenfahrer bis hin zur Homepage der
Iron
Butt Association.
Etwas über 1600 km (um genau zu sein: mindestens 1000 Meilen) sind in 24
Stunden abzufahren und nach bestimmten Kriterien zu belegen - eine harte
Herausforderung für Mensch & Maschine und nichts für "Ich-habe-Rücken"-Wenigfahrer.
Das ganze auch noch in einer ausgewogenen Durchschnittsgeschwindigkeit,
sodass eine "Race-Fahrt" ausgeschlossen wird (führt zur
Disqualifikation).
Fasziniert von den Schilderungen anderer Teilnehmer ging die Saat ziemlich schnell auf und
nach nichtmal einer Stunde war klar: Ich möchte meinen Iron Butt auch
fahren - und zwar diese Woche noch.
Ok, man kann über Sinn oder Unsinn einer solchen Aktion durchaus
streiten. Und ökologisch wertvoll ist sie zugegebenermaßen auch nicht -
aber solange sich die Bundes-Ulla vorbildhaft ihre S-Klasse quer durch Europa
in den Urlaub hinterherbringen läßt, regt sich mein Gewissen
diesbezüglich auch nicht sonderlich auf.
Naja, frei nach dem Biker-Motto "Der
Weg ist das Ziel" werde ich mir während der Fahrt mal Gedanken über die
Sinnhaftigkeit dieser Aktion machen.
Jedenfalls habe ich dann kurz noch mit Donna Fousek von der IBA telefoniert und die
aktuellen Regeln gecheckt und dann konnte die Planung beginnen.
Tour-Planung...
Wie fahre ich am besten - in den Süden oder in den Norden ? Wo ist am
wenigsten Stau zu erwarten ? Wo gibt's möglichst langgezogene gerade
Autobahnen ? Wann fahre ich am besten los ? Ach, sch... auf Planung; ich verwarf mehrere Routen und entschied mich am Ende für:
Köln - Erfurt - Dresden - Berlin - Rostock - Hamburg - Bremen
-
Emden - Köln
Ursprünglich wollte ich schon am 12. August losfahren, verschob dies
aber auf Grund der Wettervorhersage. Ausweichtermin war dann der 13.
August 2009, 05.00 Uhr...
Entgegen aller "Planungen" bin ich dann aber schon gegen 03.00 Uhr
losgefahren. Rückkehr war am selben Tag, gegen 19.00 Uhr und ein paar zerquetschte ... ich bin (aber
hab's) GESCHAFFT ! Kompliment an die alte K 100
RT.
Nachts im Regen los…
Der Vorabend zum 13. August verhieß hier in Köln wettertechnisch nix Gutes.
Es schüttete quasi aus Eimern. Ursprünglich wollte ich ja sogar schon am
Mittwoch gefahren sein, hatte dies aber wegen der Wetterprognose auf den
Donnerstag verschoben. Wohlweislich, offenbar.
Als ich dann am Donnerstag, 13.08.09, um kurz vor 3.00 Uhr aufbrach, war
Petrus gnädig. Es war relativ trocken. Als erstes ging es an die nächste
Tankstelle. Den Richtlinien der amerikanischen IBA entsprechend, musste
ich dort mein Motorrad auftanken. Der Tankbeleg musste Datum und Uhrzeit
ausweisen – dies galt als das „offizielle“ Startsignal. Ab da lief die
Zeit – 24 Stunden blieben mir. Nach einem freundlichen "Du bis'
beklopp'..." vom Tankstellenpächter ging's los in die Nacht...
Auf der (Tor-)Tour sollte ich noch weitere
Tankbelege sammeln und Zeugenaussagen unterschreiben lassen, die dann
zur Verifizierung an die IBA geschickt werden müssen. Die Amis schreiben
in ihren Teilnahmeunterlagen, dass man ein gewisses Verkäufertalent
brauchen würde, um sich die Zeugenaussagen zu beschaffen. Was damit
gemeint war, habe ich später bemerkt: Es stellte sich als fast unmöglich
heraus, an der Raststätte jemanden dazu zu bewegen, seine Anschrift und
Unterschrift herauszurücken. Irgendwie verständlich.
Bis
kurz hinter Giessen war jedenfalls alles easy und relaxt, doch Petrus
meinte wohl, dass er in der Nähe von Giessen mal gießen müsse.
Es regnete in Massen und Wind zog auf und die relaxte Fahrt war dann
nicht mehr so relaxt, sondern verlangte ab da etwas mehr Aufmerksamkeit.
Trotzdem erreichte ich plangemäß Erfurt und etwas später dann auch
Dresden. Bei Sonnenaufgang wurde das Wetter auch spürbar besser.
Später, in Höhe von Berlin, verzogen sich endlich die Wolken und das Fahren
hätte etwas angenehmer werden können – aber da kam bei einem Tankstopp
der erste richtige Durchhänger (nach knapp 770 km) und die bohrende
Frage nach der Sinnhaftigkeit, die ich bis dahin nicht beantworten
konnte. Es erschien mir so, als sei es mir unmöglich, nach einer
längeren Pause wieder aufzusitzen. Die Lösung war relativ einfach: Ich
MUSS ja weiter…
Ich hatte mir vorher überlegt, dass ich, wenn ich gut in der Zeit liegen
würde, vielleicht kurz nach Berlin reinfahren würde. Angesichts
mangelnder Motivation, umständlicher Baustellen und viel Verkehr habe
ich dies dann vor Ort verworfen und bin dann in einem „Gewaltritt“ an
Rostock und Hamburg vorbeigerauscht.
Ich fuhr als sei der Teufel hinter mir her; gehalten habe ich nur noch zum
Tanken und Raucherpausen. Mir war klar, dass ich aufgeben würde, wenn
ich irgendwo länger als nötig stehenbleiben würde.
Kurz hinter Emden, eigentlich „nur“ noch knapp 400 km bis zum Ziel, war
dann Schicht im Schacht. Ich bekam dauernd Krämpfe in der rechten Hand.
Da bin ich dann von der Autobahn runter- und nach Papenburg zur
Meyerwerft gefahren (leider war da nix los) und hab’ mich erstmal lang
ins Gras ausgestreckt.
Wäre da jemand gekommen und hätte mir Geld für
mein Motorrad geboten, ich hätte es wahrscheinlich verkauft. Ich dachte
nur noch: Was für ein Schwachsinn machst Du hier eigentlich? Sinnloses
Abfahren von Raststätten…
…und im Regen zurück…
Also wieder raufgeklettert (von elegantem Aufsteigen war gewiß nicht die
Rede) auf den Hobel, wieder zurück zur BAB und weiter gings. Leider in
die falsche Richtung; ich hatte mich falsch eingeordnet und fuhr erstmal
wieder auf der A 31 in Richtung Norden. Waren das jetzt doch erste
Verschleißerscheinungen ? Ab Emden
südwärts habe ich dann vorsichtshalber jeden, aber buchstäblich jeden Rastplatz angesteuert, eine
gequalmt und bin wieder weiter gefahren.
Als dann die ersten Schilder „Oberhausen xy Kilometer“ auftauchten,
setzte das dann plötzlich wieder Energien frei. Ruhrgebiet = grenzt an
Rheinland = Zuhause, so dachte ich da nur noch.
Kurz hinter Neuss setzte dann nochmal ein ätzender Regenschauer ein,
aber das war’s. Noch knappe 50 km und ich hatte es geschafft. Kurz vor
19.00 Uhr erreichte ich die Tankstelle, wo ich wieder auftanken musste
und der Tankbeleg als Beleg für die "Zieleinfahrt" herhalten musste.
Mein Fazit: Der Tankstellenpächter hatte recht...
Über 1600 KM in knapp 17 Stunden, Durchschnittsverbrauch 6,4 ltr. Benzin,
kein messbarer Ölverbrauch
Kann ich es jemandem empfehlen ? Klares Nein, weil man nichts anderes
tut, als völlig öde die Autobahn-Kilometer abzuspulen, ohne dass man
etwas Interessantes sieht (aus Zeitgründen waren ja keine Stadtbesuche
möglich). Man kennt nachher lediglich alle Raststätten, not more. Da
hätte ich auch 17 Stunden im Windkanal auf dem Hobel sitzen können...
Bin ich jetzt stolz oder denke ich, etwas Besonderes geschafft zu haben
? Ebenfalls nein. Stolz bin ich nur auf mein Motorrad, was die Reise
ohne jeglichen Aussetzer geschafft hat. Für die Maschine war es eine
echte Herausforderung.
Probleme mit Müdigkeit oder Aufmerksamkeit ? Gab es eigentlich nicht.
Eigentlich, denn falsches Einordnen verbuche ich mal unter mangelnde
Aufmerksamkeit. Ansonsten war es aber so, wie es die Amerikaner prophezeit hatten: Bevor man
richtig müde wird,
tun einem die Knochen und Muskeln weh und man hört freiwillig auf,
weiter zu fahren - aber es wird unendlich schwer, sich nach einer
längeren Pause wieder
„aufzurappeln“ und danach wieder aufs Mopped zu setzen.
Tipp: Man sollte diese Tour nicht alleine machen. Mit mehreren, glaube
ich, kann man sich besser motivieren und man fängt nicht an, sich
irgendwann mit seinem eigenen Mopped zu unterhalten - was an sich ja
noch nicht so schlimm ist; bedenklich wird's erst, wenn man sich
einbildet, dass das Motorrad antwortet...
Jedem, der das machen möchte, empfehle ich das Buch
"Against the Wind". Ron Ayres beschreibt dort die Iron Butt Rallye
(hätt' ich's mal besser vorher gelesen...).
Nun heißt's für mich, bis zu 12 Wochen auf die Verifizierung meiner 1000
Meilen durch die IBA zu warten. Obwohl, brauche ich noch eine
ausdrückliche "Anerkennung" von den Amerikanern ? Ja, denn meine
freundlichen Sponsoren haben einiges an Geld gezahlt im Hinblick auf die
Iron Butt Plakette. Geld, dass ich nach der Verifizierung einem Kinderheim
in Köln gerne spenden werde - und damit bekommt die ganze Aktion auch
nachträglich ihren Sinn...:)

Kölner Wochenspiegel
(Zeitungsausschnitte zum Vergrößern anklicken)
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