F 104 und ein unterirdischer Weihnachtsmarkt

Eine Motorradtour ins niederländische Valkenburg

Valkenburg Valkenburg

20. November 2011

 

Eine Weihnachtsmarkt-Tour ? Was hat Weihnachten mit Motorradfahren zu tun ?

 

Naja, immerhin gibt es ja sogar in Norddeutschland, in Neumünster, alljährlich den legendären Motorrad-Weihnachtsmarkt.  

 

Das ist für eine Tagestour allerdings ein bisschen weit weg von Köln und die Straßen dahin sind uns "zu geradeaus". Dazu fehlt uns einfach die fahrerische Einstellung sowie der entsprechende blubbernde amerikanische Eisenhaufen unter'm Hintern.

 

Andererseits kann ich der Flut von normalen Kölner Weihnachtsmärkten - inzwischen sind es jedes Jahr weit mehr als fünfzehn hier in der Stadt, Tendenz steigend - auch nichts mehr abgewinnen. Überwiegend wird nur noch asiatischer Billig-Ramsch zu teuren Preisen angeboten, angereichert noch durch alle möglichen Freß- und Saufbuden. Jeder Stadtteil hat hier seinen Markt, in der Innenstadt gibt's dazu noch gleich vier weitere, einen Weihnachtsmarkt auf einem Schiff und, ganz neu: einen "maritimen Weihnachtsmarkt" am Schokoladenmuseum...

 

Da Helene aber jedes Jahr darauf besteht, Weihnachtsmärkte zu besuchen, haben wir uns vor ein paar Jahren halt mal etwas außerhalb umgesehen und außergewöhnliche Weihnachtsmärkte gesucht - und mit dem unterirdischen Weihnachtsmarkt in Valkenburg auch einen tollen Markt gefunden. Naja, und die Anfahrt durch die Nordeifel bzw. Rureifel macht selbstverständlich mit dem Motorrad großen Spaß, somit kann man beides kombinieren und der Familienfrieden bleibt erhalten ;-)

 

Auch jetzt, Mitte bzw. Ende November, waren die Wetterbedingungen super; wir hatten noch Sonnenschein und durchaus akzeptable Temperaturen. Zunächst warteten wir mal wieder in Köln an der vereinbarten Tankstelle auf die Mitfahrer, die sich großspurig vorher angemeldet hatten, um dann dreißig Minuten später doch nur mit zwei Motorrädern loszufahren. Ist schon bemerkenswert, dass einigen die Höflichkeit doch ziemlich fremd sein muss - wieso kann man sich nicht einfach per e-Mail, SMS oder Anruf abmelden ? Für die, die es nicht wissen: Es ist genauso einfach wie die Anmeldung...

 

Abgesehen von der längeren und unsinnigen Wartezeit, die man uns damit bescherte, war es uns dann aber auch egal. Witzige Begegnung zwischendurch: Jürgen Rüttgers kam zum Tanken. Vor knapp anderthalb Jahren war er noch Ministerpräsident des Landes NRW - und damals hatte er sicher noch seine Leute dafür, aber heute tankte er selbst. Er nahm sich sogar die Zeit für ein kleines Schwätzchen, was die Wartezeit verkürzte.

 

Mit Yvonne und Thorsten aus Kürten, die inzwischen auf ihrer feinen Kawasaki VN 1700 Voyager eingetroffen waren, machten wir uns dann gen Westen auf. Die Sonne schien zwar überwiegend, aber es war auch noch bewölkt und stellenweise doch etwas kühl. Aus diesem Grunde hatten wir die circa 150 Kilometer lange Tour in drei Etappen aufgeteilt.

 

Klar, man kann das niederländische Valkenburg von Köln aus auch in knapp neunzig Kilometern bzw. in einer guten Stunde erreichen, dann muß man aber über die langweiligen Autobahnen fahren. Für uns stand der Tag aber unter dem Motto: Der (Um-)Weg ist das Ziel und so alle fünfzig Kilometer sollte es eine kurze Kaffeepause geben. Autobahnfrei wollten wir über Landstraßen nach Nörvenich bis zur Kneipe "F 104" fahren, anschließend bis zum Bikertreff "Green Mile" in Nideggen und von da aus "über die Dörfer" nach Valkenburg zum unterirdischen Weihnachtsmarkt.

 

Besuch beim Pitter, dem kölschen Urgestein in Nörvenich...

In Nörvenich, direkt in der Nähe der Landebahn der heutigen Eurofighter (früher landeten dort die F 104-Starfighter) befindet sich die Kneipe, das Restaurant oder Café "F104" von Hans-Peter "Pitter" Esser - einem kölschen Urgestein, das schon mit Willy Millowitsch auf der Bühne stand.

 

Wir waren früher schon ein paar Mal dort, aber immer draußen auf der Terrasse. Heute gingen wir dann mal rein und waren sprachlos von seinem Sammelsurium an Erinnerungsstücken, die überall in der Kneipe stehen, liegen oder an der Decke hängen. Es sind ungelogen tausende Gegenstände; angefangen von vergilbten Erinnerungsfotos, hunderten signierten Bundeswehrfeldflaschen, Henkelmännern und sogar ein Schleudersitz aus einem Kampfjet, der im Gerümpel vor den Toiletten sein Dasein fristet.

 

Nachdem sich Pitter ein paar Mal die Augen gerieben hatte ("...die letzten sind erst heute früh um vier Uhr nach Hause gegangen...") schlurfte er mit einer Kanne Kaffee zu uns an den Tisch und schnell erzählte er von anno dunnemals. Einem Verzällcher (für die Nichtkölner: einer Anekdote) folgte die nächste und so wurde aus dem geplanten Kaffee-Stop schnell mehr als eine Stunde Aufenthalt.

 

Zum guten Schluß mußten bzw. durften Yvonne und Helene dann auch noch selbstgemachten Grünkohl mit Schmalz probieren, den Pitter mittags servieren wollte. Es fiel wirklich schwer, uns loszueisen, einen Schlußpunkt zu setzen und weiter zu fahren.

 

Mit gehöriger Verspätung cruisten wir endlich weiter in Richtung Nideggen. Der Besuch im "Green Mile" fiel der Verspätung zum Opfer, so dass wir dort lediglich vorbeifuhren, um dann unterhalb der imposanten Burg Nideggen die Rureifel mit ihren tollen Kurvenpassagen zu erreichen. Via Simmerath und Monschau fuhren wir dann nach Holland - bzw. political correct: in die Niederlande.

 

Man mag es kaum glauben, aber auch die Gegend südlich von Aachen bietet schon nette Kurvenstrecken und dank der Ausläufer der Eifel auch den einen oder anderen Hügel. Kurz hinter Aachen erreichten wir dann Vaals und ab da ging es noch ein paar Kilometer schnur geradeaus, bis wir in Valkenburg ankamen.

 

Hatte man uns vor kurzem noch in Amsterdam erklärt, dass Motorräder nahezu überall kostenlos parken dürften, solange sie keinen behindern, war das hier in Valkenburg schon wieder ganz anders. Nachdem wir uns ein freies Plätzchen auserkoren hatten (wo unsere Motorräder garantiert niemanden behindert hätten), wurden wir von einem freundlichen Anwohner darauf hingewiesen, dass unsere Moppeds bei unserer Rückkehr sicher nicht mehr da stehen würden, sondern längst abgeschleppt sein würden. Also blieb uns nichts anderes übrig, als einen kostenpflichtigen Dosenparkplatz anzusteuern.

 

Wenn man mit zwei Moppeds eine einzige Parkfläche benutzt, wie viele Tickets zieht man dann ? Wir definierten: Vier Reifen (wie jede Dose auch) ergibt ein Ticket. Die Rechnung ging auf, als wir zurückkamen, standen beide noch einträchtig nebeneinander.

 

In Valkenburg trafen wir dann Joachim von den Saarbikern, der mit seiner Familie ebenfalls dort war - allerdings mit dem Auto. Trotz der kühlen Temperaturen haben in Valkenburg sämtliche Terrassen geöffnet. In den Kneipen und Restaurants sitzt kaum einer drinnen, nahezu alle Lokale haben eine beheizte Terrasse. Also suchten wir uns auch ein Plätzchen, um mal eben ein Thunfisch-Sandwich und einen Burger zu verdrücken. "Mal eben" war aber deutlich untertrieben - sowohl das Sandwich wie auch der Hamburger hatten gigantische Dimensionen.

 

Auch das dauerte dann länger als geplant und so mußte Joachim schon wieder die Heimfahrt nach Neunkirchen im Saarland antreten, während wir vier uns dann ins weihnachtliche Geschehen stürzten.

 

Das gesamte mittelalterliche Zentrum der Stadt, unterhalb der Burg, war weihnachtlich und disneymäßig geschmückt und beleuchtet. Man kann es lieben oder kitschig finden, beeindruckend ist es auf jeden Fall - und für Goldwing-Fahrer eine wahre Pracht...:-)

 

Zurück ging's dann zielstrebig und im Dunkeln über die Autobahn nach Köln bzw. für Yvonne und Thorsten noch ein Stück weiter ins Bergische Land. Mit den beiden hat es großen Spaß gemacht und das war sicher nicht unsere letzte gemeinsame Tour. Knapp dreihundert Kilometer haben wir an diesem Sonntag abgespult; bei dem Wetter war das ein absolutes Fahrvergnügen.

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Reisetourer's Fazit:

 

Der Weihnachtsmarkt in der Fluweelengrotte ist immer einen Besuch wert, egal ob mit dem Motorrad oder mit dem Auto. Gegenüber den stets überlaufenen Märkten in deutschen Großstädten hat der unterirdische Markt in der Grotte den Vorteil, daß immer nur eine bestimmte Besuchermenge eingelassen wird und es deswegen nie überfüllt erscheint.

 

Kein Gedränge, kein Geschiebe und die, die draußen auf Einlaß warten, können sich die Zeit an den Freßbuden oder beim Glühwein (wenns denn mal kühler wird) vertreiben. Der Eintritt kostete für Erwachsene 4,50 Euro. Absolut empfehlenswert !

...und das sagen unsere Mitfahrer

Thorsten & Yvonne Thorsten & Yvonne

Es war ein wunderschöner Tag. Ralf hat nach vorheriger Absprache (eventuell tut er das ja ohnehin) eine genießbare Geschwindigkeit vorgelegt und so fühlten wir uns nicht wie der Klotz am Bein. Wir sind und bleiben eben Cruiser!

 

Auch wenn „der Umweg" das Ziel war, war auch das nicht ohne. Schöne Stadt, toller Weihnachtsmarkt, leckeres Essen, gut gekleidete Menschen und hoffentlich verständnisvolle Politessen (2 Mopeds, ein Ticket).

 

Wir werden Eure Homepage im Auge behalten und sehen, was sich im nächsten Jahr für Möglichkeiten bieten. Für eine 1-2 Tagestour sind wir in jedem Fall zu haben, bei allem anderen sind wir durch die Kinder einfach zu unflexibel..

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