Wir fahr'n dann mal weg - mit dem Motorrad den Jakobsweg entlang...
Die Idee zur Motorradreise quer durch Belgien, Frankreich und Spanien

Irgendwann im Jahr 2010 kam uns die Idee, mal mit dem Motorrad den spanischen Jakobsweg entlang zu fahren - bzw. zumindest einen Teil davon. Ein paar Freunde und Bekannte äußerten spontan, dass sie gerne mitfahren würden, und da wir unsere Überlegungen auch öffentlich im Internet machten, wurden wir sogar von bislang Fremden gefragt, ob sie mitfahren könnten. Zeitweise waren es bis zu vierzig (!) Interessenten, die mitfahren wollten. Am Ende blieben es elf "Auserwählte", die sich am 27. April 2012 mit acht Motorrädern von Köln aus auf den Weg machen werden.
Im Sommer 2011 überlegten wir zunächst, wie wir denn zum Jakobsweg kommen sollten. Drei Möglichkeiten standen zur Auswahl:
Die Anreise mit dem Autozug schied ziemlich schnell aus. Das Buchungssystem ist für uns viel zu unflexibel. Eine An- und Abreise mit dem Autozug würde bedeuten, die Reisepläne ausschließlich am Angebot der Deutschen Bahn ausrichten zu müssen. Abgesehen davon - so haben wir schön öfter gehört - soll die Unterbringung der Personen während der Fahrt in den Schlaf- bzw. Liegewagen nicht besonders komfortabel sein. Auf dieser Reise wollen wir aber keineswegs Gefahr laufen, hinterher den Wahrheitsgehalt dieser Angaben bestätigen zu müssen. Außerdem verlangt die Deutsche Bahn auch ganz schön happige Preise für einen solchen Transport; dafür bekommt man locker zwei Sätze Reifen...
Das Verladen auf einem Hänger oder auf einem Miet-Transporter schied ebenso aus, da wir nicht auf einmal acht Motorräder (plus Personen und Gepäck) unterbringen können. Da wäre dann ja noch ein weiteres Begleitfahrzeug notwendig geworden.
Letztendlich fuhren wir mal mit dem Finger die Route auf der Landkarte ab und stießen auf toll klingende Gegenden wie Aquitanien, Perigord, Dordogne, Pyrenäen und wie sie alle heißen. Schnell kam die Frage auf: Warum sollten wir nicht selber durch diese vielversprechenden Landschaften fahren und einmal mehr das Klischee "Der Weg ist das Ziel" bedienen ?
Die Entscheidung war gefallen: Die gesamte Reise wird per Motorrad zurückgelegt.
Im Herbst 2011 haben Helene und ich damit begonnen, einzelne Tagesetappen festzulegen. Da es uns bei dieser Reise nicht darum geht, bloße "Kilometer zu fressen" oder stupide eine Ansammlung von Bergpässen zu absolvieren, sollten die Tagesetappen nach Möglichkeit immer um die 350 Kilometer lang sein und immer in Orten enden, wo es dann auch noch etwas zu Sehen und Erleben gibt - und zwar abseits vom Motorradfahren.
Wir fahren zwar sehr gerne Motorrad, aber es muß - gerade im Urlaub - auch noch was anderes geben, als eben nur Motorrad zu fahren. Dazu gehören dann auch motorradlose Ruhetage.
Gleiches galt auch für die Hotelauswahl - bei einer kurzen Wochenendtour spielt es für uns keine Rolle, wenn die Hotels mal zur einfacheren Kategorie gehören; Hauptsache, sie sind sauber und erfüllen ihren Zweck. Im Urlaub darf es dann schonmal ein bisschen mehr sein, gegen eine Wellness-Oase und eine nette Hotel-Bar ist dann nichts einzuwenden, finden wir.
Also müssen die Tagesetappen auch in Orten enden, wo es solche Hotels zu vernünftigen Preisen gibt. Insgesamt kamen wir dann auf eine Reisedauer von 16 Tagen. Das war zu viel für den einen oder anderen Interessenten und so schrumpfte die Zahl der potentiellen Mitfahrer schnell auf unter zwanzig.
Viel Telefonieren quer durch die Republik war dann angesagt, denn die meisten Teilnehmer kennen wir gar nicht persönlich. Vom hohen Norden bis zum äußersten Süden kommen die Teilnehmer. Es ist nicht so einfach, am Telefon festzustellen, "ob die Chemie stimmt" und ob alle eine nette Truppe ergeben werden. Das wird eine interessante Erfahrung werden - ich bin gespannt, ob mein Bauchgefühl recht behalten wird.
Interessant waren die verschiedenen Gesichtspunkte, die im Rahmen diverser Telefonate diskutiert werden mußten:
- Obwohl wir bei der Vorstellung der Tour klar geschrieben hatten, dass wir die Tour nicht aus religiösen Gründen fahren werden und darum gebeten hatten, dass potentielle Mitfahrer dies berücksichtigen und alle etwaigen religiösen Dinge und Gedanken mit sich im Stillen ausmachen müßten, erhob eine Dame dennoch den Anspruch, dass wir an jedem Etappenziel ja gemeinsam beten und unsere Empfindungen mitteilen sollten - sie fährt dann doch besser ihre Tour ohne uns...
- Da wir nur Doppelzimmer anbieten können, suchte ein Solo-Fahrer einen Zimmerpartner, um eben die Kosten zu halbieren. Eine vernünftige Idee, fanden auch wir. Tja, aber der Zimmergenosse möge bitte schnarchfrei sein - so die unabdingbare Voraussetzung. Also hätte ich die anderen Solo-Teilnehmer erstmal nach ihren Schlaf- und Schnarchgewohnheiten interviewen müssen, bevor die Zimmerbelegung geklärt werden konnte...
- Wir hatten die Reiseroute längst anschaulich im Internet veröffentlicht - ab/an Köln soll die Reise dann quer durch Belgien, Luxembourg, Frankreich und Spanien gehen. Ob wir denn auf unserer Tour auch in der Nähe von Mannheim vorbeifahren würden, lautete eine der weiteren Fragen, denn man wolle nicht den Umweg bis Köln fahren. Naja, würden wir die Tour so gestalten, dass wir alle elf Teilnehmer jeweils zu Hause abholen würden, würde die Reise dreißig Tage dauern und quer durch Deutschland führen...
- Auch diese Frage war interessant: Ob man diese (Motorrad-)Reise auch mit dem Wohnmobil mitfahren könnte...
Einige haben sich abgemeldet, wieder angemeldet und dann doch abgesagt und, und, und... wir bewundern jetzt schon professionelle Reiseanbieter für deren "dickes Fell", das sie zweifelsohne haben müssen.
Seit Anfang Dezember ist das "Boarding" nun beendet. Sechs BMW, eine Honda und eine Yamaha machen sich dann Ende April auf den Weg. Helene und ich werden in den nächsten Wochen die Hotels reservieren und fix buchen...
...und hier findet Ihr die Berichte zur Planung & Vorbereitung der Reise...
Jakobsweg by reisetourer.de