Wir kommen wieder - Inshallah...

Hotel La Kasbah in Agadir Hotel La Kasbah in Agadir

Am Abend nach unserer dritten Tour gaben wir dann in Agadir die Transalp zurück. Mohamed und Mouhcine inspizierten das Mopped bis auf's Kleinste und fanden sofort einige vermeintlich neue Kratzer. Wir konnten uns diese nicht erklären, denn wir hatten die Transalp wie ein rohes Ei behandelt. Es begann eine kurze Diskussion, in dessen Verlauf Mohamed aber immer wieder deutlich betonte, dass dies nicht unser Problem sei.

 

Vermutlich sei die Transalp auf irgendeinem Parkplatz mal umgestoßen und wieder aufgerichtet worden; er kenne dies, denn es würde öfter passieren. Gerade Kinder und Jugendliche würden sich für Motorräder interessieren, weil es sie nicht allzu oft zu sehen gäbe. Sie würden dann schonmal versuchen, sich draufzusetzen und den Lenker zu bewegen und schließlich umfallen. Wenn man dann wiederkommt, sei das Motorrad längst wieder aufgerichtet und man bemerke (zunächst) davon nichts.

 

Entweder stimmt das - und dann sollte man sein Motorrad immer in Sichtweite abstellen - oder Mohamed hat uns nicht geglaubt und wollte nur höflich sein.

 

Den Abend ließen wir dann ausnahmsweise in unserem Hotel ausklingen, da ein Schlangenbeschwörer auftrat und anschließend eine mehr oder weniger orientalische Show geboten wurde.

 

Das Hotel "La Kasbah" ist übrigens aus unserer Sicht nur dann empfehlenswert, wenn man keine großen Ansprüche stellt und nur zum Schlafen da wohnt. Das Hotel ist zwar sauber, aber das war es auch schon. Die Anlage ist seit längerer Zeit nicht mehr renoviert worden und auch das Personal könnte mal auf den aktuellen Stand gebracht werden, was das Thema Freundlichkeit betrifft. Aber letztendlich tat dies dem tollen Reiseerlebnis keinen Abbruch.

Reisetourer's Fazit:

Wir haben so viel von Marokko's Land & Leuten kennengelernt, dass wir noch Jahre davon schwärmen werden. Wir haben uns nur einmal unwohl bzw. unsicher gefühlt, und das war bei "Quasimodo" - aber das hatten wir ja meiner eigenen Provokation zu verdanken.

 

Die Erfahrung, in einem Land unterwegs zu sein, das fast doppelt so groß ist wie Deutschland, war beeindruckend. Ausserhalb der Ballungszentren und abseits der Hauptverkehrswege ist es nichts Ungewöhnliches, dass man stundenlang keinen Menschen sieht. Wir verstanden schnell, dass es sehr wichtig ist, stets Wasser- und Benzinvorräte zu haben. Morgens hatten wir die Transalp deshalb vollgetankt und spätestens, wenn sie halb leer war, nutzten wir die nächste Möglichkeit zum Auftanken - sofern denn eine kam.

 

Die Begegnungen mit zahlreichen Menschen aus einer völlig anderen Kultur und in weit entfernten Dörfern waren jedesmal toll. Wenn wir irgendwo anhielten, um z.B. nach dem Weg zu fragen, bekamen wir nicht, wie bei uns, nur eine kurze Antwort im Vorbeigehen. Nein, es wurde stets ein kleines Gespräch draus - wo kommt Ihr her, wo fahrt Ihr hin, wie ist es unterwegs etc. und erst am Schluß gab es die gewünschte Auskunft.

 

Standen wir an irgendeiner Stadtmauer, tauchte schnell irgendjemand auf, um uns unaufgefordert etwas zur Geschichte zu erzählen und zwar nicht, weil er ein Bakschisch wollte, sondern nur um des Erzählens willen. Peinlich ist das beim ersten Mal, wenn man vorschnell unterstellt, dass derjenige ja nur auf Kohle aus sei und man dies dann auch zum Ausdruck bringt - und dann als Antwort bekommt, dass derjenige gar kein Geld haben will. Die "Bakschisch-Mentalität" haben wir nur in Touristengegenden erlebt.

 

Überhaupt sind die Preise abseits der Touristengebiete ein Erlebnis für sich: Eine Sonnenbrille für 1 Euro (sie hat übrigens die ganze Tour gehalten, trotz "Sandstrahlung"), zwei Kaffee und zwei Flaschen Wasser kosteten zusammen meist maximal 2 Euro, eine gigantische Couscous-Mahlzeit für zwei kostete 5 Euro...

 

Die unbeschreiblich vielseitigen Landschaften, die sich mitunter schnell abwechselten, sind eine Bestätigung für den Spruch: Der Weg ist das Ziel. Alleine die langen Anfahrten zu einem Zielort waren stets ein unvergeßliches Erlebnis für sich. Eine Motorradtour durch Marokko, das waren für uns knapp tausend Kilometer im Land von 1001 Nacht...

 

Unser Fazit: Marokko, wir kommen wieder...Inshallah !

 

18. Juni 2011

Sicherheit in Marokko

 

Als wir zurückkamen, meinten einige unserer Freunde: "Mensch' seid Ihr verrückt geworden ? Das ist doch viel zu gefährlich !"

 

Unsere Auffassung: Nein, Marokko ist nicht mehr gefährlich als eine S-Bahnhaltestelle in Deutschland. Man sollte die Sicherheitshinweise des auswärtigen Amtes und länderspezifische Foren zuvor mal lesen und die als gefährlich genannten Gegenden dann auch meiden.

 

Aber man sollte nicht deshalb gleich das ganze Land verdammen. Ferner sollte man seine Umgebung stets rastermäßig "abscannen", um ein Risiko oder eine drohende Gefahr frühzeitig erkennen und dadurch meiden zu können. Nicht jede dunkle Gasse muss entdeckt werden und nicht jede Einladung zum Tee muss angenommen werden - deshalb wird man nicht gleich den Kontakt zur Kultur verlieren.

 

Wachsamkeit ist zwar geboten, aber man sollte keineswegs in Hysterie verfallen und hinter jedem Fremden, der auf einen zugeht, gleich einen Selbstmordattentäter vermuten - das wiederum könnte dann doch schonmal in einer sog. "sich selbsterfüllenden Prophezeiung" enden...

 

Last but not least: Das ganze Leben ist sehr gefährlich...

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Kommentare

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  • khk(Sonntag, 22. Januar 2012 17:40)

    super bericht !
    kurze frage :
    wir haben vor zu viert mit dem motorrad eine ähnliche tour zu machen.
    wie viele motorräder hat der vermieter ?

  • Michel aus Oberberg(Samstag, 21. Januar 2012 11:25)

    Hallo Ralf,

    guter Bericht, die Tour verleitet zum Nachahmen. Offensichtlich warst Du mit der Transalp zufrieden? Alle Kosten gerechnet könnte man meinen, die eigene Strassenmaschine zu Hause zu lassen?

    Viele Grüße
    Michel


Hallo Michel,

 

doppeltes Ja:

 

Ja, wir waren mit der Transalp absolut zufrieden und

 

ja, ich würde eine Motorradmiete empfehlen. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der relativ langen An- und Abreise, wenn man mit dem eigenen Mopped fahren würde. 

 

Grüße aus Köln

 

Ralf