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25. und 26. September 2009
Die
Einladung klang so verlockend, dass ich sie einfach nicht
ablehnen konnte. O-Ton: "Ich bin hier gerade zur Kur, komm' doch
mal runter in den Schwarzwald. Ich bezahl' den Sprit für den
Motorradfahrer - also das Bier - und das Hotel..."
Tourplanung en detail - oder
der Weg ist das Ziel...
Zuerst besorgte ich mir den
Motorrad-Reiseführer
"Fun-Tours
Elsass" von Jürgen Thurner und
überlegte mir dann, wie ich denn
fahren sollte, verwarf aber auch gleich wieder mehrere Routen,
denn es kommt doch eh' immer anders als man plant. Dieses Mal
würde ich alleine fahren, da meine Sozia freitags noch
arbeiten mußte. Ähnlich wie
bei meinem
Iron
Butt merkte ich mir schließlich einige Eckpunkte,
startete meine BMW in Köln um acht Uhr morgens und fuhr dann einfach
drauflos. Da ich die Motorradstrecken in der Eifel so gut wie
auswendig kenne und ich diesmal gerne auch einen kurzen
Abstecher ins Elsaß mit einbeziehen wollte, entschied ich mich
für die Autobahn bis nach Strasbourg, um möglichst schnell ins
Zielgebiet zu kommen.
Von der BAB-Fahrt gibt's nicht
viel zu berichten; außer, dass ich an der Raststätte Brohltal an
der A 61 dachte: Mann, was haben die hier freizügige Tankwarte
(siehe erstes Bild unten). Bei weiterem Hinsehen stellte sich
aber raus, dass es wohl nur eine Dame aus dem horizontalen
Gewerbe war, die ihrem osteuropäischen "Manager" die Scheiben
des Autos putzte...
In Strasbourg beendete ich endlich
die unsägliche Autobahngurkerei und fuhr über eine einsame
Landstraße (D 20) mehr oder weniger am Rhein entlang in Richtung Colmar. Zeitweise war ich über mehrere Kilometer hinweg der
einzige Mensch auf der Straße und ich dachte schon, ich hätte
eine Sperrung übersehen. Aber es war einfach nur schön leer und
das Touren durch den langsam einsetzenden "Indian Summer" machte
einfach nur Spaß.
Panzer, Spritmangel und 111.111
Kilometer
Kurz vor Colmar wollte ich mir
eigentlich in
Marckolsheim das Maginot-Denkmal anschauen, doch mich
beschäftigten zwei andere, wesentlich elementarere Dinge.
Erstens: Ich hatte kaum noch Sprit im Tank und es gab in den
Dörfern, durch die ich kam, auf einmal keine Tankstellen mehr.
Es war wie verhext; einige Kilometer zuvor Tankstellen an jeder
Ecke und plötzlich nix mehr. Unterwegs kam ich immer mal wieder
an Straßenschildern vorbei, die den Zusatz trugen "Sauf Service"
(siehe weiter unten) - ja, mein Mopped wollte saufen, aber es
gab keinen Service. Irgendwann hatte ich dann auch den
"point of no return" überschritten, d.h. mir wurde klar, dass
ein Umkehren zur letzten Tankstelle definitiv nicht mehr möglich
war - jedenfalls nicht ohne Schieben. Oder wie will man mit ein
paar Brocken Französisch per Handy einer französischen
Taxizentrale erklären, wo man steht und was man gerade dringend
braucht ? Ich hatte leider meinen
Travel-Stick, den ich eigens für solche Fälle entwickelt
habe, dummerweise nicht mitgenommen, er wäre eine Hilfe
gewesen. Also hieß es, mit Herzklopfen, Hoffen und Bangen weiter
zu fahren. Es klappte zum Glück mit dem letzten, wirklich
allerletzten Tropfen.
Das zweite Ereignis, dass mich
davon abhielt, die alten Sherman-Panzer zu besichtigen, war der
Tacho meines Reisetourers: Die gute alte BMW stand unmittelbar
davor, die 111.111 Kilometer zu schaffen und es galt natürlich,
dieses historische Ereignis fotomäßig für die Nachwelt festzuhalten.
Klar, die Kilometerleistung ist für einen fliegenden Ziegelstein
noch nix Weltbewegendes, aber trotzdem: 6 Einsen auf dem Tacho
zu haben, ist eine Bemerkung und ein Foto wert. Gar nicht so einfach, genau
innerhalb dieses einen denkwürdigen Kilometers auf einer
französischen Bundesstraße ohne Seitenstreifen anzuhalten, bloß
um seinen Tacho zu fotografieren. Beim ständigen Beobachten des
Tachostandes mit dem einen Auge und der gleichzeitigen Suche
nach einem bisschen befahrbaren Randstreifen mit dem anderen Auge habe ich
dann die Abzweigung zum Maginot-Denkmal verpaßt. C'est la vie.
Colmar, Petite Venise oder
Disneyland...
Nachdem sich Bangen & Freude
abgewechselt hatten, konnte ich gutgelaunt in Colmar
einlaufen. Direkt am Eingang der alten Kathedrale fand ich einen
Parkplatz und war erstmal platt wegen der vielen bunten und
schiefen Häuschen. Das ganze Altstadtviertel (Petite Venise -
Klein Venedig) kam mir vor wie ein
künstliches Disneyland. Alles wirkte schon fast unnatürlich,
aber es war tatsächlich echt. Und es roch überall verführerisch
nach Essen & Trinken. Um es vorwegzunehmen: Hier in Colmar hätte
ich meinen ersten Tag beenden und erst am nächsten Tag die Tour
fortsetzen sollen. Die Gegend um Colmar ist einfach viel zu
schön und es gibt so viel zu entdecken.
Colmar liegt an der Elsässer
Weinstraße und da sollte man an sich die Gelegenheit nutzen, einen
guten edlen Tropfen zu probieren. Leider ging das nicht, da ich ja
noch weiter wollte. Aber die gute K 100 RT hat ja zwei große
Koffer und, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, habe ich
sie gleich rechts und links jeweils mit einer Gourmetkiste aufgefüllt
(Anm.: Die Gourmetkiste ist
hier auch online bestellbar). In Colmar erfuhr ich übrigens noch am Rande, dass dies der
Geburtsort des Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi war. Datt'
alleine sagte mir aber nix. Sein
wichtigstes Werk war jedenfalls die Bartholdi-Statue, oder besser -
und mir auch - bekannt als die Statue of Liberty (Freiheitsstatue). Eine kleine Kopie
dieser Statue steht dann auch noch in Colmar ->
Link zum Bartholdi-Museum. Naja, hätte es damals schon K
100 RTs gegeben, hätte Bartholdi wohl eher einen "Flying Brick"
in Stein gehauen und verewigt; verdient hätte sie es alle Male.
Au revoir France
Nach einem vorzüglichen
Mittagessen im
"du Marché"
in Colmar
am Place de la Cathédrale fuhr ich über die Rheinbrücke bei Neuf-Brisach zurück nach Deutschland.
Ist schon komisch, aber in Froonkraisch hört sich alles
viel schöner an - der wohlklingende Place de la Cathédrale ist
in Köln banal die Domplatte und aus dem "du Marché" würde bei
uns die schlichte Marktschänke - aber was soll's. Die
Überquerung der Rheinbrücke dauerte jedenfalls auf Grund einer Großbaustelle
eine gute Viertelstunde - Zeit genug, um sich an der fast
türkisblauen Farbe des Rheins satt zu sehen. Im Vergleich dazu
sieht der Rhein bei Köln wie ein Jauchebecken aus. Dann kam
Freiburg, die Stadt mit den angeblich meisten Sonnenstunden
Deutschlands. Ich durchquerte sie zügig in Richtung
Donaueschingen, um auf den Spuren eines
ehemaligen Maultierpfades, der heutigen gut ausgebauten Bundesstraße 31, ins
Höllental mit dem Hirschsprung zu kommen. Einer Sage
nach soll da ein Hirsch auf der Flucht vor einem Jäger die
damals 9 m breite Schlucht unverletzt übersprungen haben. Die
Stelle ist mit einem großen Hirsch aus Bronze unübersehbar
markiert - das dumme Gesicht des Jägers ist jedoch nicht
überliefert.
Vom Höllental bis Bad Dürrheim
Es war jetzt gegen 18.00 Uhr und
im Höllental setzten plötzlich Höllenqualen ein: Ich hatte von
einer Minute zur anderen keinen Bock mehr auf's Motorradfahren.
Die knapp 750 km bis dahin forderten gnadenlos ihren Tribut. Das erinnerte
mich an meinen "Eisernen Hintern" vor zwei Monaten - Krämpfe in
der rechten Hand und das Gefühl, sich die Kronjuwelen schon plattgesessen zu haben. Ausserdem
wurde es in den Tälern schon recht schattig und unangenehm kühl.
Leider lagen aber noch knapp 80 km bis zum geplanten Hotel in
Bad Dürrheim vor mir. Die möglichen Sehenswürdigkeiten und das
reichhaltige Kurvenangebot der Strecke nahm ich daher kaum noch zur Kenntnis,
als ich in einem Gewaltritt am Titisee, Neustadt und
Donaueschingen vorbeibretterte, um mich dann endlich in der
Kurstadt Bad Dürrheim mühselig vom Mopped zu wuchten. Gebucht
hatte mein Bekannter für mich ein Zimmer in der Pension
"Zur
Traube". Die Pension im umgebauten Bauernhof ist
für Motorradfahrer durchaus empfehlenswert (Übernachtung mit
kleinem Frühstück für 30 Euro, überdachte Stellplätze und ggf.
auch abschließbare Halle). Bad Dürrheim selbst hat aber
ansonsten nicht allzuviel zu bieten, es sei denn, man ist wegen einer Kur
dort. Ich habe auf der Durchfahrt noch nie so viele Reha- und
Kurkliniken auf einem Haufen gesehen wie in Dürrheim. Das
"gefühlte Durchschnittsalter" von Gästen und Einwohnern lag
irgendwo jenseits von 75 Jahren. Naja, mir
war's für diesen einen Abend egal.
Als mein Bekannter mich zum
abendlichen Zechen abholen wollte, muss er wohl unbewußt gedacht
haben, dass er mich erstmal aufmuntern müsse, denn er
veranstaltete auf dem Parkplatz eine unfreiwillige Comedyeinlage
à la Frauenparken: Er übersah beim Wenden mit seinem X3 eine
Steinkante und den dahinterliegenden Abhang. Es krachte ziemlich
häßlich und der tolle Geländewagen hing vorne rechts in der Luft
und mit der Bodengruppe auf der Steinkante. Es bedurfte der
Hilfe eines Gabelstaplers und eines Traktors, um das Auto
wieder hochzuheben und auf den Parkplatz zu schieben. Glück im
Unglück: Der BMW hat den Absturz tatsächlich unbeschadet
überstanden.
Grund genug, jetzt erst recht im
"Salzstüble"
einen zu bechern. Das Pub ist übrigens eine der letzten,
wenn nicht sogar die letzte Kneipe in Bad Dürrheim, wo man noch rauchen
darf. Das "Salzstüble" hat ein nettes, rustikales Ambiente mit
einem Sammelsurium an Straßenschildern und sonstigen
"nützlichen" Gegenständen aus aller Welt und, last but not
least, nette und top-aufmerksame Bedienungen. Wer noch,
political incorrect, zu den Rauchern gehört, Bier vom Faß
bevorzugt und sich nach Bad Dürrheim verfahren hat, sollte da
mal einkehren.
Am nächsten Mittag stand die
Entscheidung an, mal bis zum Bodensee zu touren oder nach Hause
zu fahren. Ich entschied mich für Zuhause. Die 850 km vom Vortag
steckten noch in den Knochen und nach Hause war's ja auch noch
einiges und am nächsten Tag wollten wir ja zum
Eifelrennen auf dem Nürburgring.
Also ging's auf kürzestem Wege, d.h. über die Autobahnen zurück
nach Köln.
Fazit: Die Gegend um Colmar ist
traumhaft und die Gegend um das Höllental ist traumhaft, aber
jedes Gebiet ist eine eigene Anfahrt wert. Zur besseren und
individuellen Planung
im Zielgebiet empfehle ich die unten stehenden Elsass- und
Schwarzwald Roadmaps. Wer meine Routenplanung für's Zielgebiet
(ab Strasbourg bis Rottweil) haben möchte, kann mir gerne eine
Mail senden.
P.S.: Diese affengeile Kurventour
durch den Elsass und den Schwarzwald bin ich auf neuen
Metzeler Lasertec gefahren - kann ich nur empfehlen ! |